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Zürich, d.17ten Dec.1862
Lieber Vater
Soeben wurde ich durch Deinen lieben Brief vom 10ten überrascht, und danke Dir daß Du meinem Wunsche so bald nachgekommen bist. Über Dein Wohlbefinden war ich eigentlich nicht ganz ruhig und sah mit Ungeduld Nachrichten von Euch entgegen. Zu dem jungen Enkelein gratuliere ich Dir, von Petersburg habe ich bis jetzt noch keinen Brief gehabt. Daß Ihr so schöne Arbeit habt freut mich und thut es mir leid daß ich so weit entfernt bin. Einen Gruß habe ich Dir von Herrn Wilh. Bauer, Submarine Ingenieur, zu senden, dessen Bekanntschaft ich hier wieder gesucht habe. Er hat hier einige sehr interessante Vorlesungen über seine bisherigen Erfahrungen gehalten und habe ich von demselben mir so manches gemerkt. Herr Bauer ist beschäftigt, ein Schiff aus dem Bodensee zu heben und unterliegt es keinem Zweifel, daß er im Frühjahr sein Werk vollenden wird. Da es Dich vielleicht interessieren wird über die Konstruktion seines in Rußland gebauten Tauchers einiges zu erfahren, schicke ich einige Vorlesungen mit. Der Taucher hat ganz elliptischen Querschnitt, im übrigen die Ansicht von dem, von uns gebauten. Um die Schwimmkraft aufzuheben, befinden sich inwendig 3 große Zylinder mit auf einer Schraube befindlichem Kolben wodurch beliebig viel Wasser eingelassen werden kann. Damit nun bei größerem Tiefgange nicht ein zu großer Druck auf die Kolben kommt, können die Zuflußrohren durch einen Hahn abgeschlossen werden, sobald die Schwimmkraft aufgehoben ist. Nun pumpt er ein beliebiges Quantum Wasser mit einer kleinen Pumpe ein, um den Taucher zum sinken zu bringen. Ist er auf der gewünschten Tiefe angelangt, braucht er nur dieses Wasser wieder auszupumpen und der Körper hat weder bestreben zu sinken noch zu steigen. Wenn ein plötzlicher Unfall als Leck oder Anrennen gegen Felsen entsteht, so fallen auf einen Ruck Gewichte ab die sich in Hülsen unter dem Schiff befinden. Zur Fortbewegung bedient Bauer sich einer gewöhnlichen Schraube und hat ebenfalls am Stern eine kleine Schraube angebracht, die das Schiff drehen kann wenn er auf dem Flecke wenden will. Außerdem hat er für gewöhnlich ein Steuer. Um nun ohne Wasser ein- und auszulassen auch während der Fahrt steigen und sinken zu können, hat er hinten am Schiffe zwei Flossen, die wagerecht stehen, angebracht; dieselben können durch Drehung nach oben und unten gerichtet werden. Um den wagerechten Stand des Schiffes zu gewinnen oder nur mit dem Fenster aufzukommen befindet sich in der Mitte im Schwerpunkt ein Gewicht an einer Schraube wodurch Verstellen derselben jede Neigung des Schiffes erreicht werden kann. Du siehst hieraus mit welcher Sorgfalt Bauer alle möglichen Unfälle vorausgesehen und ihnen zu begegnen gesucht hat. Eine kleine Kammer hat er ebenfalls angebracht durch welche mittels doppelten Verschlusses ein Taucher aus dem Schiff herausgehen kann. Die Hebungsversuche von Schiffen sind entschieden sehr einfach. Bauer befestigt an Haken, die er mittels Taucher an dem Schiffe befestigen läßt; einfache große Balons aus Kautschuk und Leinen, die unten offen sind und mit Luft gefüllt werden durch Luftpumpen, daß das Schiff, wenn dieselben genügend angebracht sind sich heben muß, liegt außer Zweifel.
Außer diesen Sachen hat er eine Taucherkammer konstruirt welche zum Ausbessern der untersseischen Kabel sowie zum Auffischen irgendwelcher Gegenstände benutzt werden kann bis zu einer Tiefe von 800 Fuß. Zu unterseeischen Fundamenten für Brücken etc. sowie zu Kriegszwecken ebenfalls verwendbar ist diese Einrichtung in England patentirt.
Einandernmal mehr. Fröhliche Neujahr!
Wünscht Dir Dein Sohn
Georg
Einen Gruß an Hr. Schweffel
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